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  BLOG 27-10-2021

Was Deutschlands Gründer*innen brauchen

Deutschland hat gewählt. Und in Sachen Start-up-Förderung sowie Digitalisierung gibt es noch einiges zu tun. Wo die Schwachstellen liegen und welche Handlungsempfehlungen es gibt, erfahrt ihr im Blog.

Ausgangslage

Gründer*innen sind agil, risikobereit und disruptiv - das ist Teil ihrer Mentalität, denn ansonsten würden sie den Schritt einer Unternehmensgründung wohl kaum wagen. Start-ups können als starke Innovator*innen auftreten und für die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes essentiell sein. Deutschlands Ziel sollte es also sein, die Gründer*innen-Kultur zu fördern, welche im internationalen Vergleich wettbewerbsfähig ist und neben Start- und Grown-ups auch Einhörner hervorbringt. Viele Start-ups, die beispielsweise in den USA gegründet wurden, sind schon heute Global Player in der Wirtschaft. Wäre es nicht wünschenswert, dass auch Deutschland neue Facebooks, Ubers, Airbnbs & Co. hervorbringen würde?

Ein schwieriges Unterfangen, wenn man sich neben fehlenden Kapitalgebern vor allem die bürokratischen Hürden vor Augen führt, vor denen einige Gründungsinteressiert*innen zurückschrecken.

Deutlich wird dies u.a. im aktuellen Global Entrepreneurship Monitor (GEM)* 2020/2021, einem Länderbericht, der jährlich das weltweite Gründungsgeschehen untersucht.

Unter den 30 untersuchten Ländern mit hohem Einkommen liegt Deutschland auf Platz 28 bei der Gründungsquote. Nur Polen und Italien liegen hinter uns.

Sidefact: Ihr dachtest, die USA stehen an der Spitze? Weit gefehlt, sie liegen auf Platz 10. Die meisten Gründungen in den letzten dreieinhalb Jahren konnten Panama, Chile und Uruguay verzeichnen.

Die noch amtierende Bundesregierung hat in 2019 eine Milliarde Euro in die Förderung digitaler Start-ups investiert. Zum Vergleich: In der EU waren es 22 Milliarden Euro, in den USA 119 Milliarden Euro. No words needed.

Des Weiteren bewerten laut der Umfrage "Bitkom Startup Report 2021" des Digitalwirtschaftsverbands Bitkom* mehr als 200 Gründer*innen die Start-up-Politik in der vergangenen Legislaturperiode durchschnittlich mit der Note 4,2, also mit „ausreichend minus“.




Next Steps

Nun hat Deutschland gewählt und die kommende Regierung kann neue Weichen stellen, um einen aktiven Beitrag zur Förderung von Start-ups in Deutschland zu leisten. Denn das Talent ist zweifelsfrei da. Woran hapert es denn genau bzw. was braucht Deutschland? Wir wollen hier auf die größten Hürden eingehen.

Ein großer Dreh- und Angelpunkt ist der Ausbau der digitalen Infrastruktur. Gerade die Corona-Pandemie hat sehr gut verdeutlicht, wie mangelhaft diese an vielen Stellen ist.

Während die Internet-Infrastruktur in großen Städten gut ausgebaut ist, gibt es in Randbezirken und ländlichen Gebieten noch Entwicklungsbedarf. Datenuploads oder Cloud-Lösungen lassen hier zu wünschen übrig.

Neben dem Breitbandausbau spielen aber auch Themen wie Künstliche Intelligenz, Datenschutz und die Digitalisierung von Behörden eine wichtige Rolle.

Letztere würden einen großen Beitrag zur Entbürokratisierung des Gründungsprozesses beitragen. Momentan benötigt man unzählige Formulare und die Bearbeitungszeiten ziehen sich in die Länge. Gefordert ist also eine Vereinfachung durch Digitalisierung und One Stop Shops auf allen Ebenen, sei es die Anmeldung eines Gewerbes oder die Übermittlung von steuerrelevanten Daten. Zusammengefasst sollen alle notwendigen bürokratischen Schritte an einer Stelle gebündelt werden.

Ok – simplere Prozesse und Glasfaser bringen die Gründer*innen in unserem Land weiter. Aber was fehlt, um global agierende, digitale Champions hervorzubringen? Ganz klar: Kapital.

Benötigt werden Inkubator-Programme, die sich um junge, schnell wachsende Unternehmen kümmern und aktiv bei der Investoren-Suche helfen oder eine umfassende Infrastruktur zur Verfügung stellen. Auch das ist in anderen Ländern gang und gäbe.

Darüber hinaus ist es wichtig, Programme zur staatlichen Förderung früher Gründungsphasen weiterzuentwickeln. Zwar hat sich in den letzten Jahren der Wagniskapitalmarkt hierzulande deutlich weiterentwickelt, doch hinken wir auch hier im internationalen Vergleich hinterher.

Vielversprechend ist hier der Zukunftsfond des Bundes, ein halbstaatlich finanzierter und privatwirtschaftlich verwalteter Dachfond. Hier stehen in den nächsten zehn Jahren für innovative Start-ups und Wachstumsunternehmen in Deutschland 10 Milliarden Euro bereit, die durch privates Kapital substanziell gehebelt werden. Klingt vielversprechend, oder?

Als weitere Handlungsempfehlungen ist zu nennen, die Attraktivität für nationale und vor allem internationale Talente zu fördern mittels verbesserter steuerlicher Rahmenbedingungen für Anteilsoptionen.

Auch die Vereinfachung bei der Vergabe öffentlicher Aufträge und Berücksichtigung von Start-ups bei diesen kann einen Turbo auslösen, vor allem in Bezug auf Verkehrs- und Energiewende.




Und wie seht ihr das?

Wir haben euch - unsere Community - gefragt, wie ihr die Situation einschätzt und überwiegend ähnliche Resonanz erhalten.

Julian Taleb, Chief Executive Officer bei RateEstateⓇ, meint beispielsweise ebenfalls, dass es „dringend eines Bürokratieabbaus bedarf, insbesondere bei Förderungen wie EXIST oder START-UP transfer.NRW“. Er schlägt hier reine Stipendien als Lösungsansatz vor. Außerdem erachtet auch er den Infrastrukturausbau (sowohl des Internets als auch der ÖPNVs) mit als höchste Priorität.

Sven Schlüter und Christian Becker, die beiden Gründer von Y-Security, wünschen sich eine vereinfachte Teilnahme an Ausschreibungen des Bundes. Denn momentan ist eine Teilnahme von Start-ups an solchen Ausschreibungen oftmals nicht möglich, da die Einstiegshürden wie z.B. Stammkapital oder Zeitraum seit der Betriebseröffnung mit einem Start-up nicht vereinbar sind. Hier wäre es denkbar, dass „der Bund mit einer Art Bürgschaft für das notwendige Vertrauen sorgt“, so Sven und Christian.


Fazit

Ihr seht – es gibt viel zu tun. Und wer packt es an?

Laut der Umfrage „Deutscher Startup Monitor 2020“ wäre in Deutschland schon seit ein paar Jahren eine Koalition aus Grünen und FDP rechnerisch möglich. Hier sehen die Gründer*innen das größte Potential zur Förderung von Start-ups. Nun haben ja passenderweise nach der Bundestagswahl eben diese beiden Parteien zusammen mit der SPD Koalitionsverhandlungen aufgenommen. Wir sind gespannt, ob der Impact groß genug sein wird und Deutschlands Gründerszene erhört wird. Unsere Daumen sind gedrückt!