BLOG 08-07-2020

Videobearbeitung Step by Step

So produzierst du professionelle Videos für deinen Social Media Kanal!

Wir haben im Juni unser meetHUB zum Thema Videobearbeitung veranstaltet und dazu Marius Schulte von Goldmountains Multimedia eingeladen, der sich bestens mit dem Thema auskennt, weil er selbst leidenschaftlich gerne Videos produziert. Und das nicht nur für sich selbst. Wer sich Marius Arbeiten mal anschauen möchte, klickt gerne einmal hier. Dazu nutzt Marius gerne neue Technologien, beschäftigt sich permanent mit den Angeboten auf dem Markt und gibt Euch jetzt nachträglich einen Einblick in den Prozess der Videobearbeitung und eine Open Source-Lösung, die sich für Beginner hervorragend eignet.

Alles beginnt mit einer guten Vorbereitung

Mit einer guten Drehvorbereitung kann man gut dafür sorgen, den Überblick zu behalten. Dabei gibt es einige Dokumente, die man aufsetzen kann, um unterschiedliche Bereiche zu “reporten”. Für die Planung eines Videodrehs oder einer Kommunikation mit dem Kunden empfiehlt Marius sich folgende Dinge schriftlich zu protokollieren:

  1. Das Drehbuch: Wird eher bei aufwändigeren Produktionen eingesetzt und beinhaltet pro Szene jeweils: Kameraausschnitt, Maske, Lichtverhältnisse, Schauspieler, Requisiten, Ausstattung/Deko, SFX, Laufzeit im fertigen Film, ggfs. Skizzen jeder Videoeinstellung, Ziel: genaue Vorgaben fast aller Paramete
  2. Treatment: Definition von Inhalt, Idee des Videos sowie Zielgruppe, Ziel: Feedback vom Kunden, Abschätzung der Kosten
  3. Shotlist: visuelle Vorplanung der Szenen (z.B.: Schauspieler, Brennweite des Objektivs und Kurzbeschreibung der Handlung), Ziel: Konzipierung des Videos, Berücksichtigung aller Aufnahmen

Ein wichtiger Punkt, der bei der Drehvorbereitung nicht zu kurz kommen sollte ist die Entscheidung bzw. die Bestimmung des Video-Endformats, da nicht alle Formate direkt miteinander kompatibel sind. Das klassische Video hat ein Seitenverhältnis von 16:9. Eine Instagram Story von 9:16.

Der Instagram-Feed oder Facebook-Posts haben, bei der maximalen Darstellungslänge in Y-Richtung, ein Verhältnis von 4:5. Im Schnitt kann nicht alles angeglichen werden. Es kann teilweise auch notwendig sein, zwei Videos für die entsprechenden Plattformen zu produzieren.

Der Dreh

Beim Dreh gibt es viele Dinge, die man beachten sollte. Es fängt mit einer guten Kamera-Auswahl an und endet bei den optimalen Lichteinstellungen. Wir starten mit der Kamera-Auswahl. Es gibt folgende Möglichkeiten:

  • Smartphone-Kameras
  • Kompaktkameras
  • Bridgekameras (Kameras ähnlich Spiegelreflexkameras, aber fest verbautes Objektiv)
  • Systemkameras (Objektive austauschbar – Spiegelreflexkameras DSLRs und Spiegellose Kameras DSLMs)
  • Cinema-Kameras (Systemkameras mit mehr Anschlüssen, Buttons, besserer Qualität)

Egal welche Kamera zum Einsatz kommt, die Parameter zur Einstellung des Videobilds sind immer die gleichen:

  • ISO: Elektrische Verstärkung des Signals. Bei zu hohen Werten entsteht Rauschen, sonst keine Änderung im Bild.
  • Belichtungszeit: Gibt an wie lange ein einzelnes Videobild belichtet wird. Standard ist die doppelte Belichtungszeit der Bildwiederholrate (Framerate) zu verwenden, z.B. bei 25 Bildern/s als Belichtungszeit 1/50s bzw. bei 50 Bildern/s die Verwendung von 1/100s. Bei kürzeren Belichtungszeiten entsteht weniger Bewegungsunschärfe und das Bild kann abgehackt aussehen, gerade bei Bildern mit viel Bewegung (Wasserfall, Ventilator, …). Eine Anpassung bei „zu hellem Bild“ ist über sogenannte ND-Filter möglich.
  • Blende: Ist wie die Iris in unserem Auge. Im Bild steuert Sie die Unschärfe der Bereiche, die nicht im Fokus liegen. Bei Smartphones oder Kompaktkameras ist oftmals das komplette Bild „scharf“, wohingegen bei Kameras mit größeren Sensoren der Hintergrund durch Wahl einer kleinen Blendenzahl unscharf wird. Eine geschlossene Blende lässt wenig Licht durch das Objektiv und eine offene Blende viel. Eine Anpassung sollte in der Regel auf Basis der gewünschten Unschärfe im Bild erfolgen.
  • Weißabgleich: Dient zum Angleichen des Sensors an die Farbtemperatur des Umgebungslichts. Dabei kann je nach Kameramodell ein Abgleich des reinen Kelvinwerts möglich sein (Angleichen an bläulichere und gelblichere Lichtquellen). Manche Modelle bieten auch die Möglichkeit der Anpassung von Grün-Magenta-Farbtönen.
  • Bildprofil: Wenn nicht im RAW-Format gefilmt wird (i.d.R. nur bei Cinemakameras), wird das Bild des Sensors in der Kamera bearbeitet. Dies passiert auch beim Fotografieren, wenn ein JPEG Bild das Ergebnis ist. Das Bildprofil bietet meistens Einstellmöglichkeiten von Schärfe, Kontrast, Sättigung und Farbton. Diese können entweder so angepasst werden, dass das Bild schon möglichst gut aussieht und ohne weitere Nachbearbeitung verwendet werden kann. Ist eine Post-Produktion geplant macht es aber mehr Sinn, das Bild möglichst unbearbeitet in den Schnitt zu bringen. Das heißt: Schärfe herunterregeln, Kontrast & Sättigung reduzieren.

Die Lichtsetzung

Da die Sonne als natürliche Lichtquelle nicht immer das macht, was wir von ihr möchten, macht es Sinn sich für professionelle Ergebnisse mit der Lichtsetzung auseinanderzusetzen. Das geht bereits mit ganz einfachen Leuchten. Es gibt z.B. günstige Softboxen als 2er Set für ca. 40€. Die Verarbeitungsqualität ist zwar nicht die beste, aber wenn man weiß was man tut, können damit bereits professionelle Ergebnisse erzielt werden.
Wichtig ist hier mit der richtigen Balance zwischen Licht und Schatten zu arbeiten. Außerdem sollte weiterhin darauf geachtet werden, auch bei den günstigen Softboxen, als erstes auf hochwertigere und vor allem einheitliche Leuchtmittel umzusteigen.

Parameter bei der Wahl von Leuchtmitteln: Farbtemperatur in Kelvin (gängig: 3200K, 5500K), CRI/TLCI-Wert (möglichst hoch – 90+, besser 95+).

Audioaufnahmen

Eine gute Audioaufnahme ist wichtiger (!) als ein qualitativ hochwertiges Bild! Verrauschter, knackender Ton ist ein K.O.-Kriterium für jede Produktion. Videos mit einer schlechten Audioqualität sind anstrengend anzuschauen, deshalb sollte viel Wert auf die Tonqualität bei Aufnahmen gelegt werden.

Das Mikrofon sollte dazu möglichst nah an der Quelle positioniert sein und auch in dessen Richtung zeigen. Mikrofone, die auf der Kamera befestigt werden, sind zwar ein Anfang, aber oft verschwendetes Geld. Besser geeignet ist die Investition in eine Funkstrecke mit Lavaliermikrofon oder ein Richtmikrofon, welches per Tonangel nah, ca. 50cm vom Mund, an den Sprecher gebracht wird. Wenn das Mikrofon im Bild zu sehen sein darf, kann auch ein Handmikrofon oder ein handgehaltener Voicerecorder verwendet werden. An dieser Stelle muss allerdings auf Handgeräusche geachtet werden.

Parameter beim Ton: Abtastfrequenz in kHz (Standard: 48kHz) und Bittiefe (Standard: 24bit)

TIPP: Die Physik können und sollten wir bei der Videoproduktion zu unserem Vorteil nutzen! Bei Audio und Lichtwellen ist bei einer Verdopplung des Abstands zur Quelle jeweils nur noch ein Viertel der Leistung vorhanden. Wenn wir von einer Videoleuchte also z.B. statt 1m nun 2m entfernt stehen, benötigen wird für die gleiche Helligkeit auf dem Objekt die vierfache Lichtleistung! Gleiches gilt für Audioaufnahmen.

Die Nachbearbeitung

Auf dem Markt gibt es eine Vielzahl von Schnittprogrammen, sowohl kostenfrei als auch kostenpflichtig. Je nach Anwendungszweck macht es Sinn unterschiedliche Werkzeuge zu verwenden:

Kostenfreie Software:

OpenShot Video Editor (Einsteigerfreundlich)
Hitfilm Express (Erweiterte Funktionen, nur auf Englisch)
Blackmagic DaVinci Resolve (Profisoftware, abgespeckt, max. FullHD Produktionen)

Kostenpflichtige Software:

– Adobe Suite (Premiere Pro, After Effects, Audition)
– Finalcut Pro (MacOS)
– Blackmagic DaVinci Resolve (Profisoftware, aus meiner Sicht eher für Farbkorrekturen/Coloristen)

Die wichtigsten Bildübergänge

In Videoschnittprogrammen oder auch NLE (Non-Linear-Editing) gibt es oft eine ganze Palette von Videoübergängen mit Kreisen, wirbeln, verwischen, etc. Wenn ihr euch professionelle Produktionen anseht, werdet ihr aber feststellen, dass es dort solche Bildübergänge nicht gibt. Die einzigen Videoübergänge, die ihr benötigt, sind in fast jeder Software vorhanden: Harter Schnitt, Weiche Überblendung und Überblenden in schwarz oder weiß.

Die Hintergrundmusik

Stimmung im Video wird fast ausschließlich durch die Musik erzeugbar. Ein Horrorfilm ohne entsprechende Soundeffekte oder mit entspannter Sommermusik? Ihr merkt, da kommt keine Angst und Panik beim Zuschauer auf. Ebenfalls kommt es darauf an, ob es einen Sprecher/Dialog im Video gibt oder nicht. Ist das der Fall, sollte die Musik in den Hintergrund rücken. Ansonsten muss die Musik alleine für die komplette Stimmung sorgen. Bevor nicht die richtige Musik steht, geht bei mir kein Schnitt los. Plattformen auf denen Musik lizensiert werden kann sind z.B. Artlist, Soundstripe und Epidemic Sound.

Der Export

Ein gutes Format, was heute mit nahezu allen Geräten kompatibel ist: .mp4 mit einem H.264 Codec. Je nach verwendeter Auflösung fährt man mit foldenden Datenraten ganz gut:
1920×1080 (Full-HD) – 16Mbit/s
3840×2160 (Ultra-HD) – 50 Mbit/s

Die Parameter beim Export sind: Format/Container, Codec und Datenrate.

Zusammenfassung: Marius TOP TIPPS für professionelle Videos

Meine Top 3 Tipps für den Dreh:

  1. Auf die Belichtung achten
  2. Brennweite der Kamera und Bildausschnitt auf das wesentliche Beschränken. Weniger ist mehr!
  3. Liveabhören/Monitoring von Audioaufnahmen

… und für die Post-Produktion:

  1. Weniger ist mehr! – Unwichtiges Material unbedingt weglassen, auch wenn es noch so gut aussieht.
  2. Nur die aufgeführten Schnittarten verwenden
  3. Passende Musikauswahl (Auswahl kann schon mal ein paar Tage dauern, je nach Produktion!)

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Besten Dank für Deinen Beitrag, Marius und natürlich nochmal ein großes Danke dafür, dass Du im Juni als Speaker bei uns gewesen bist. Wer das meetHUB verpasst hat und nicht teilnehmen konnte, hat hier dir Gelegenheit es sich nachträglich anzuschauen: